40 Jahre Kultur- und Freizeitzentrum
Das Kultur- und Freizeitzentrum der Gehörlosen in Hamburg mit dem angeschlossenen Wohnhaus wird 40 Jahre alt. Am 08. April 1968 fand die Grundsteinlegung statt. Damals war die Finanzierung dieses Gebäudes mit fast 2 Millionen DM gesichert, so dass der Bau nach langer Planung beginnen konnte. Viele Hürden mussten überwunden werden, um diese Summe durch Spenden von Mitgliedern, Firmen, Kirchen und „Aktion Sorgenkind" (heute: „Aktion Mensch") zusammen zu bekommen und den Rest durch Kredite und Eigenarbeit abzudecken.

Kühne bei seiner Ansprache zur Grundsteinlegung am 8.4.1968
(ganz links: L. Valentiner, ganz rechts: Herbert Feuchte)
Der 1. Vorsitzender und Gründer der Gesellschaft zur Förderung der Gehörlosen in Groß Hamburg e.V., Dr. Herbert Feuchte, sowie der Mitbegründer, Bruno Kühne, betonten in ihren Ansprachen, ein Projekt geschaffen zu haben, das damals einzigartig in der Bundesrepublik Deutschland war. Beim Richtfest am 20. August 1968 hielten diese Beiden eine Ansprache, in der die Erfolge der Baumaßnahmen des Kultur- und Freizeitzentrums und des Wohnhauses im Laufe des Jahres dargestellt wurden.
Die Fertigstellung und Schlüsselübergabe fand im Januar 1969 und die Einweihung des Kulturzentrums und des Wohnhauses unter dem Namen „Bruno-Kühne-Haus" am 28. Mai 1969 statt. Nun konnten die Gehörlosen endlich in diesem Haus u.a. eigene Theaterausführungen auf der Bühne des Kulturzentrums durchführen. Dadurch hatte der seit 1950 bestehende Hamburger-Gehörlosen-Theaterverein verbesserte Arbeits- und Spielbedingungen.

Saal mit Bühne um 1990
Der große Saal kann durch zwei Trennwände in drei Säle verwandelt werden. Für Veranstaltungen oder gemütliches Beisammensein stehen eine Theke, sowie eine Großküche bereit, um auf Veranstaltungen für das leibliche Wohl zu sorgen. Ebenso besitzt das Kulturzentrum eine Kegelbahn und ein Filmstudio. In den Gründungsjahren diente das Filmstudio dem Verein „Hamburger Gehörlosen Filmstudio ´70", in dem der Gründer, Herr Eberhard Fritz, in den Jahren 1970-1974 eigene Filme in Gebärdensprache erstellte und vorführte.
Nach der Einweihung entstanden zahlreiche Selbsthilfegruppen und Vereine, die die Räume für Ihre Veranstaltungen anmieteten. Es gab z.B. Hausfrauentage, Gebärdensprachkurse, Führerscheinkurse, Erste-Hilfe-Kurse, aber auch Diskussionsabende mit politischen Themen oder allem, was mit der Gehörlosenkultur zu tun hatte. Die Veranstaltungsräume werden an jeden Interessenten, also auch an Hörende vermietet. Die Kegelbahn ist dabei besonders hervorzuheben, weil sie besonders gern in Anspruch genommen wird.
Im Erdgeschoss des Bruno-Kühne-Hauses hat ein Kindergarten mit einem großen Spielgelände seine Heimat gefunden. Im ersten und zweiten Stockwerk gibt es 20 Wohnungen, die (mit einer Ausnahme) ausschließlich an hörgeschädigte Bewohner vermietet werden. Das dritte Stockwerk ist an den Verlag „Hörgeschädigte Kinder" vermietet. Auch der Hamburger-Gehörlosen-Sportverein (HGSV) und der Deutsche Gehörlosen Bund haben in unserem Haus ihre Büros.
Von 2005-2007 wurden wichtige Teile des Wohnhauses (Erste Bauabschnitt) saniert. Neue Fenster, eine neue, wärmedämmende Außenfassade und ein neues Dach haben spürbare Einsparungen bei den Heizkosten zur Folge. So wird auch ein wirksamer Beitrag zum Klimaschutz geleistet.
Deutsch- und Englischkurse für Gehörlose werden in der heutigen Arbeitswelt immer wichtiger, Gebärdensprachkurse für Hörende finden immer größere Annahme. Geplant sind auch Computerkurse, da das Internet ein wichtiges Kommunikations- und Informationsportal der Gehörlosen geworden ist. Verschiedene Interessen- und Selbsthilfegruppen unterschiedlichster Art benötigen immer häufiger kostengünstige, gut eingerichtete (technische gut ausgestattete) Räume. So überlegen wir, wie wir der immer größer werdenden Nachfrage gerecht werden können.
Der zweite Bauabschnitt (Clubheim) des Kulturzentrums konnte bis heute leider nicht realisiert werden, weil die Finanzierung noch nicht steht. Deshalb sind wir auf Spenden angewiesen. Nach 40 Jahren ist vieles dringend sanierungsbedürftig.

Kultur- und Freizeitzentrum heute
Die Gesellschaft zur Förderung der Gehörlosen in Hamburg e.V., die seit 1969 das Wohnhaus und das Kulturzentrum verwaltet, ist für jede Spende, die es ermöglichen würde, den zweiten Bauabschnitt zu realisieren, dankbar. Sie hofft, alte und neue Spender, aber auch Stiftungsverbände zu gewinnen, diese wichtige Aufgabe finanziell zu unterstützen. Sowohl Hörende als auch Gehörlose könnten gemeinsam von verbesserten räumlichen Bedingungen profitieren. Deshalb bitten wir jeden, dem es möglich ist, uns bei unseren Vorhaben zu unterstützen.
Quelle: Hans-Jürgen Kleefeldt, Tag der Gehörlosen am 20.09.2008
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